Together #7 mit Tag der offenen Tür revisited

Montag Morgen, 7. November 2016, Hannah und Max bewegen sich auf leisen Sohlen durch das Flüchtlingsheim in Zirl. Max kennt die Namen der HeimbewohnerInnen, er absolviert dort seinen Zivildienst und ist Teil des Betreuungsteams. Hannah sucht die Zimmer derer, die am Samstag zuvor für die Küche beim siebenten Together Fest zuständig waren. Sie wollen niemanden wecken oder in die Privatsphäre der Heimbewohnerinnen eindringen, vorsichtig klopfen sie an die erste Tür. Sie brauchen gar nicht zu fragen wonach sie suchen, sofort erscheint Ali, ein mazedonischer Flüchtling vor ihnen und überreicht Hannah sechs Gabeln, sechs Löffel, sowie einige Teller, alles sauber abgespült, aber noch sind es nicht genug.

Areal des Flüchtlingsheims von oben

Also weiter im Gang nächstes Zimmer, ähnliches Bild, ein Teil der gesuchten Materie liegt auch hier schon fein säuberlich zur Abholung vorbereitet, Warda, eine somalische Frau, bedankt sich bei Hannah für das Leihen. Sieben Zimmer klappern Max und Hannah auf diese Art ab, ehe Geschirr und Besteck wieder vollständig sind.

Ich frage Hannah, was war das für ein Geschirr und Besteck, was hatte es damit auf sich:

„Die Marktgemeinde Zirl verordnet seit einiger Zeit bei Festen kein Einweggeschirr und -besteck mehr verwenden zu dürfen, eine Regel der wir uns gerne fügen. Doch uns traf das zum ersten Mal, wir vereinbarten einen Mietpreis mit einer Firma und unterschrieben auch gleichzeitig eine Verlustkaution. Niemand sprach darüber, dass die Flüchtlinge die Sachen unterschlagen haben konnten, doch die Vermutung stand im Raum.“

In Wahrheit hatten die Bewohnerinnen des Zirler Flüchtlingsheims einfach alles richtig machen wollen, alle die an Buffet und Küche beteiligt waren den, ihnen zur Verfügung gestellten, Teil des schmutzigen Geschirrs mit in ihr Zimmer und reinigten und verwahrten dort alles gründlich. Dabei hätte Die Selch das Geschirr schmutzig zurückgeben dürfen, die Endreinigung war im Mietpreis inbegriffen.

Die siebente Auflage des Together-Festes in Zirl war aus Sicht des Kulturvereins Die Selch ein Erfolg auf vielen Ebenen, das Aufeinander-Zugehen wurde gelebt, die internationale Kulinarik hat den allermeisten gemundet, die Musik hat für Stimmung gesorgt, und Probleme, gab es auch Probleme, Hannah?(lacht):

„Es gibt jedes Jahr Probleme, dieses Jahr eben mit dem Besteck und leider auch dem Strom. Oft sind es gerade die kleinen Ausmachungen die nicht so ganz klappen, letztes Jahr hatten wir viel zu viel Kuchen, alle wollten unbedingt ein Stück Kuchen verkaufen, aber separat, wir hatten vergessen das im Vorhinein klar auszumachen und hatten dann vor Ort alle Hände voll zu tun, damit überhaupt jemand etwas kaufen konnte beim mit Kuchen überfüllten Tisch. Doch abgesehen davon lief es heuer ganz gut – die Idee mit dem Tag der offenen Tür und den geleiteten Führungen durchs Flüchtlingsheim kam super an!“

Flüchtlingskoordinatorin Susanne Wicke bei einer Führung durchs Flüchtlingsheim

In den Augen vieler ZirlerInnen gab es im Jahr 2015 kein Together-Fest, doch räumt Die Selch mit dieser Annahme nun endgültig auf:

„2015 fand das Fest unter dem Titel „Glufn“ im B4 statt. Nachdem wir 2014 auf das Festgelände ausgewichen waren, kehrten wir 2016 unter alter Marke dorthin zurück, wo das Fest auch hingehört und geboren wurde, nämlich vor die Tore des Flüchtlingsheims.“

Wieso das Fest dort hingehört, erklärt sich am besten aus dem Integrationsverständnis des Vereins Die Selch, welches sich über die Jahre auch mit dem Together-Fest und kürzlich eben auch der „Glufn“-Idee entwickelt hat:

„Wir betrachten Geben und Nehmen als Grundbedürfnis eines Menschen, jeder einzelne will gerne mal etwas bekommen, aber jeder hat auch ein gleich großes Interesse mal etwas geben zu dürfen. Das Together hatte von Anfang an die Idee zu Grunde, ein Fest sein zu wollen, an welchem Flüchtlinge etwas von sich geben können – ihre einheimische Küche, das Zeigen ihres Zirler Alltages, das Reden über ihre Heimaten, über ihre Geschichten, die sie zu uns führten. In unserer öffentlichen Meinungsbildung geht es ständig darum, was Flüchtlinge von uns nehmen sollen oder nicht, aber selten was sie geben dürfen. Integration muss von beiden Seiten gelebt werden, von Seiten derer, die integriert werden wollen und derer die integrieren wollen.“

Trommelkurs mit David Schöpf

Auftritt der Trommler

Mobina (Afghanistan) an der Gitarre

Ist die Selch dann ein Integrationsverein?

„Eine schwierige Frage. Einerseits nein, weil grundsätzlich sind wir ein Kulturverein, der Kultur schaffen und leben will. Es gab Zeiten in denen der Verein aktiver war, und es gab Zeiten in denen wir fast ausschließlich auf das Together-Fest reduziert blieben. Aber das Together ist eine integrative Kulturveranstaltung, bei welcher internationale Esskultur, Musik und ein Zusammenkommen, ein reges Miteinander geboten werden.

Und andererseits ja, weil das Together das Integrationsthema ganz vorne anstehen hat, wir mit „Glufn“ eine erweiterte Integrationsmarke geschaffen haben, die alle BewohnerInnen Zirls, nicht nur Flüchtlinge im Speziellen, miteinbeziehen soll und weil im Umkehrschluss Kultur immer etwas mit Integration zu tun hat. Einander unbekannte Menschen gehen ins Theater, bei Aperol Spritz und Fingerfood beginnen erste Gespräche  über das Stück, doch schnell tauscht man sich auch über das jeweilige Privatleben aus. Kultur in jeglicher Form, sei es ein Theatergang oder der weit weniger elitäre Besuch des Together-Festes, schafft Verbindungen, die ohne dies vielleicht nicht entstanden wären!

Das heißt die Selch hält sich sehr offen, das könnte auch als ein wenig willkürlich ausgelegt werden, oder?

„Nein, die Selch interessiert sich für alles kulturelle Treiben in Zirl. Wir wollen solches unterstützen und andererseits dort wo wir Lücken sehen, selbst etwas schaffen. Es braucht kein „selchʼsches“ Maibaum-Kraxln, aber ein Together hätte es ohne uns nicht gegeben. Unsere Einschränkung ist der Ort Zirl und seine nahe Umgebung. Wir wollen den Ort und seine Umgebung kulturell attraktiver machen, ohne –das muss schon auch betont werden – ohne das bestehende Angebot damit zu kritisieren, aber Zirl wächst, dadurch gibt es immer mehr Leute, die hier wohnen und  damit wächst die Chance bunter zu werden, diese wollen wir nutzen.

Auftritt von George Naser mit seiner Oud

Auftritt der Musikschulband "Pancakes"

Was kann der, nicht in die Die Selch involvierte, Leser von der Selch in Zukunft erwarten?

„Viele ZirlerInnen haben ihren Wohnplatz in Zirl, ihr Sozialleben findet aber sehr oft außerhalb statt. Kultur in Zirl zu schaffen soll eben alle ZirlerInnen im Dorf aufeinander zu bewegen, das ist die Vision. Einander besser zu kennen, zusammen bei Festen zu lachen, zu frieren, sich zu ärgern, egal was, aber alles in Zirl und eben gemeinsam. Konkrete Projekte gibt es, aber wir verraten das dann bei Zeiten und alles seperat, in diesem Interview geht es ja in erster Linie um das Together, oder nicht?

Ganz klar, Hannah, fällt dir noch etwas zum Together ein?

„Ja, bedanken möchte ich mich bei all jenen die geholfen haben. Seit Jahren schon ist auf die Kindergruppe Sonnensprossen Verlass, ebenso auf das Ekiz, sie zaubern alle Jahre wieder ein tolles Kinderprogramm, das ist ein toller Rückhalt. Unseren verlässlichen Sponsoren (Friseursalon Marc Kruder, PrivatspenderInnen, Parteispenden,…) sowie der Marktgemeinde Zirl, ohne deren Subvention sich eine solche Veranstaltung nicht ausführen ließe. Den HelferInnen aus den eigenen Reihen, den BewohnerInnen des Flüchtlingsheims für ihre Mitgestaltung und Offenheit und natürlich dem Betreuungsteam des Flüchtlingsheims. Auch bei Brigitte Zach, die jeden Freitag mit ihrem integrativen Frauenprojekt Quilten in der Bibliothek gluft, bei allen Gästen und vor allem den Bands, denen es einfach gelungen ist, den kargen Vorplatz zwischen den Flüchtlingsunterkünften in ein Festgelände zu verwandeln! Und den Grundstücksbesitzern Peter und Anton Schneider für ihr Entgegenkommen uns ihre Felder zur Verfügung zu stellen. Danke auch an alle Gäste fürs Kommen und Mitfeiern!“

Elterverein Zirl - Kinderprogramm

EKIZ Schminken

Sonnensprossen - Kinderprogramm

Eine Frage hätte ich noch, wird es ein weiteres Together geben?

„Wenn wir nicht von uns aus anfangen es zu planen kommen die Leute auf uns zu und fragen danach, der Bedarf ist da, unsere Lust daran auch, ich würde sagen: Ja, auf jeden Fall!“


Das Gespräch führte Mike Anders. Die eingangs erzählte Anekdote wurde von ihm vereinfacht dargestellt. Es bedankt sich ihr Mike Anders, der einfach sagt. „machen wir es mal anders“



2 Kommentare

  1. Christl hat geschrieben:

    Liebe Hannah, liebe Selch. Total nette Geschichte. Solltest dich mal jobmäßig neu orientieren wollen, wäre Journalistin vielleicht was – du hättest Qualitäten (falls .. du das verfasst hast, was ich annehme?). Ja, das Festival war super, das Essen war ein Hochgenuss, wie immer, wenn die FHZ Leute die Pötte schwingen, die verstehen einfach was von Essen. Künstlerisch erinnert mich das Together-Festival ein Bisschen an das ehemalige Zirler “Banklfest”, dessen geist in eurem Festival weiterlebt. Danke !!!

    • Hannah hat geschrieben:

      Danke, Christl – die Nähe zum Banklfest kann ich irgendwie nicht abstreiten (will ich auch gar nicht!), aber der Text ist nicht von mir, sondern von Patrick und der ist schon freier Journalist :D Wir freuen uns auf jeden Fall aufs nächste Together am 16. und noch mal mehr, dass ihr mit Ukulovaz auch dabei seid!